Ein bissel Botanik
Auch wenn wikipedia & Co. eigentlich schon genug schreiben, wollt ich trotzdem hier mal ne kleine Zusammenfassung geben. Also Chilies und Paprika (oder besser gesagt die Gattung Capsicum)  gehören botanisch zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Zu dieser Familie gehören beispielsweise ebenfalls Tomaten, Kartoffeln oder die sog. Physalis (Kapstachelbeeren), die kleinen stachelbeergrossen Früchte in einer Lampionhülle, die Viele schonmal im Supermarkt gesehen haben. Zu den Nachtschattengewächsen gehören aber auch giftige Pflanzen und Früchte wie z.b. Tollkirsche, Engelstrompete oder Stechapfel.

Woher der Begriff ,,Nachtschattengewächse" kommt, ist nicht genau bekannt. Er kommt jedenfalls nicht von der Fähigkeit, im ,,Schatten der Nacht" zu wachsen und zu gedeihen. Die meisten Nachtschattengewächse wie die Chilies brauchen ja Licht zum Wachsen, reifen und gedeihen. Der Name stammt eher vom ursprünlichen Wort ,,Nachtschaden" ab. Vermutlich kam der Begriff aus dem Mittelalter, als die Pflanze der Solanum nigrum ,(schwarzer Nachtschatten, was natürlich keine Chili ist) medizinisch zur Linderung von Albträumen verwendet wurde, deshalb der Begriff ,,Nachtschaden". Oder weil diese Pflanzen bei Nacht einen Duft ausströmen, welcher bei empfindlichen Menschen zu Kopfschmerzen führt, deshalb ,,Nachtschaden".

Kommen wir mal definierter zu den Chilies: Die Schärfe der Chilies wird durch einen Wirkstoff namens Capsaicin verursacht. Der Wirkstoff erzeugt einen Schmerz- und Hitzereiz. Je höher die Capsaicinkonzentration in einer Frucht ist, desto schärfer ist sie. Deshalb werden die Chili- und Paprikasorten unter der Pflanzenfamilie ,,Capsicum" zusammengefasst. Unter dieser Pflanzenfamilie gibt es 5 wichtige Unterarten, daneben noch etliche Wildsorten, die aber für kulinarische Verwendungen weniger von Bedeutung sind.

Diese 5 Unterarten sind:

Capsicum anuum
anuum bedeutet einjährig, was jedoch nicht ganz zutreffend ist. es bedeutet lediglich nur, dass die Pflanzen innerhalb von einem Jahr von der Keimung bis zur Fruchtreife durchleben. In Wirklichkeit können sie wie alle anderen Capsicum-Sorten auch bei entsprechender Pflege frostfrei überwintert werden. Dies ist weltweit gesehen die bedeutendste Art. Die normale Gemüsepaprika zählt bspw. dazu, genauso wie die mexikanischen Jalapenos, die Peperonis aus Griechenland oder Türkei oder den ungarischen Kirschpaprika. Bei den anuums hängen die Blüten und die Pflanzen nach unten, bis auf einige wenige Ausnahmen, z.b. Tepin.

 
Jalapenos


Tondo Calaprese (ital. Kirschpaprika)                                                                                   

Capsicum frutescens
frutescens bedeutet strauchartig. Damit ist der Wuchs gemeint. Im Gegensatz zu C.anuum stehen die Blüten und Früchte meistens aufrecht. Wobei es aber da auch wieder Ausnahmen gibt. Zu diesen Chilies gehören bspw. Tabasco aber auch viele Zierchilies.


PI 555634 (C.frutescens aus Kolumbien)
 

 

Capsicum baccatum
baccatum bedeutet beerenartig. Die Bezeichnung leitet sich von den Wildsorten dieser Gattung ab, dessen Früchte beerenförmig sind. Die Früchte können jedoch sowohl länglich als auch rund sein. Die Schoten wchsen meist hängend, manchmal aber auch aufrecht und biegen dann durch ihr Gewicht nach unten, sofern es sich um grosse Schoten handelt. Unter diese Gruppe fallen zum grössten Beispiel die südamerikanischen Aji, z.b. Aji Amarillo oder die Lemon dop, die unter westlichen Hobbygärtnern sehr beliebt ist.

        
       
Lemon drop                                                                                           Jamy                                                                                

 

Capsicum chinense
Chinense bedeutet ,,aus China kommend", was aber in diesem Fall keineswegs zutreffend ist. Der Name kam ursprünglich daher, weil der Namensgeber eine Pflanze von einem chinesischen Händler gekauft hatte und dachte, sie sei aus China. Die Art ist jedoch in Süd- undMittelamerika sowie in der Karibik beheimatet. Diese Gattung besitzt die schärfsten Chilies. Zu ihr gehören bspw. die Habaneros & Scotch Bonnets, aber auch der Weltrekordhalter Carolina Reaper. Die Pflanzen wachsen mehr in die Breite als in die Höhe.

        
      
Scotch Bonnets

 

 
Carolina Reaper-Früchte                                                                           

 

Capsicum pubescens
pubescens bedeutet ,,behaart". Dies deutet auf die behaarten Blätter dieser Gattung hin. Was auch noch besonders ist, sind die violetten Blüten und die schwarzen Samen der Früchte. Diese Gattung wächst in Süd- u. Mittelamerika in den Gebirgsregionen. Als einzigste Sorte gilt diese als frosthart bis auf -5oC, was jedoch nicht zu bestätigen ist. Zu dieser Art gehören die Rocotos.

     
PI355812                                                                                           Canario


PI355812

 

Wildsorten
Neben den 5 Kulturarten gibt es noch etwa 30 Arten, die seit Jahrtausenden frei in der Natur vorkommen. Diese sehen sich zum grössten Teil alle sehr ähnlich ( klein, rund oder ovalförmig) und werden in der süd- und mittelamerikanischen Heimat in der Natur gesammelt und auch auf Märkten verkauft. Bekannteste Beispiele sind C.praetermissum (Brasilien), C.chacoense (Argentinien, Bolivien), C.eximium (Bolivien) oder Chiltepin (Mexiko)

 


Einige Wildsorten von oben lins nach unten rechts: Dwarf Chiltepin, Chiltepin, Goat Pepper, C.rhomboideum

 


Chiltepin-Pflanze

 


C.praetermissum-Pflanze